Daniel Melle

HOW TO COOK YOUR LIFE

Lange Zeit war ich “nur” der Umsetzer der Ideen anderer Leute. Später habe ich an diesen Ideen mitgestrickt. Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich nicht aus meiner Deckung komme, weil ich Angst vor Aufträgen habe. Ich habe lange gerne Webseiten gebaut. Dann aber auch lange nicht mehr. Ich habe mich in meiner eigenen Selbstständigkeit wie ein Angestellter gefühlt, der Angst hat zu kündigen, um seinen sicheren Job nicht zu verlieren.

Wackelige Freiheit

In diesem seltsamen und doch so aufregenden Jahr 2020 habe ich mir die Freiheit genommen, 9 Monate ganz vom Rechner Abstand zu nehmen. Ich habe mich in die Küche gestellt und leidenschaftlich Dinge klein geschnitten, gebrutzelt, abgeschmeckt, geröstet, püriert und in Gläser abgefüllt.

Ich habe Testpakete an Freunde und Bekannte geschickt. Ich habe Brote geschmiert und sie in meiner Besenwirtschaft verkauft. Gäste haben meinen Kühlschrank leergekauft, haben für ihre veganen Kinder im Ausland auf Vorrat gekauft und kräftig nachbestellt.

Auf einmal war ich der Typ mit den veganen Brotaufstrichen und ich hätte ab Oktober 2020 auch den ganzen Tag wieder nur Brotaufstriche in Gläser füllen und Pakete zur Post bringen können. Auch wenn ich das gern getan habe, das Gefühl, dass mir hier bald wieder die Zunge raushängen wird, stellte sich ziemlich schnell ein.

Im nächsten Schritt habe ich das gleiche noch einmal mit Kräuterlikören durchexerziert. Weniger Aufwand, höhere Marge, aber trotzdem das Gefühl, dass ich nicht der Mensch sein kann, der sein Leben an Schnapsbottichen verbringt.

Radikales Personal Branding

Was mir aber wirklich durchgehend Spaß gemacht hat war, die Geschichten rund um Entstehung und Verkauf meiner Kreationen zu erzählen. Was ich erkannt habe ist, dass ich wirklich ein leidenschaftlicher Marketing-Mensch bin.

Das war zwar immer da, aber hinter dem ganzen Web-Gedöns verborgen. Jetzt habe ich es befreit. Ich muss keine Webseiten mehr bauen, um gutes Marketing zu machen. Im Gegenteil. Es weitet meinen Blick, wenn das Endergebnis nicht Webseite heißt.

Also habe ich den Spieß komplett rumgedreht. Meine Produkte sind mein Content geworden. Meine Besenwirtschaft ist die Geschichte die erzählt wird. Ich bin kein Marketing-Experte mehr, ich bin Wirt. Als solcher völlig frei in meinem Handeln, weil es überhaupt keine Konzepte mehr gibt, “wie man Online-Marketing macht”. Das hatte mich als jemand der Marketing für Marketing macht immer völlig ausgeknockt.

Ich bin der Mittelpunkt meiner Geschichten, meines Lebens. Die Geschichten die ich erzähle, schreibe ich wirklich jeden Tag neu. Ich stehe wieder komplett am Anfang, doch ich freue mich jeden morgen aufzustehen, und gehe nur aus Vernunftgründen abends in Bett.

Mein Plan

Mein neues Zentralorgan ist Youtube. Dort befülle ich gerade einen neuen Kanal. Er heißt “angebrannt”. Jugend und Perfektion ist das Credo des alternden Kapitalismus. Was nicht wie geleckt aussieht trauen sich die Leute nicht zu zeigen. Instagram Ästhetik hat Tausende unglücklich gemacht, hat sie ihr Leben oder ihren Körper ablehnen lassen.

Angebrannt” ist anders. Eben angebrannt. Unperfekt so wie wir alle, Ausschnitte aus meinem Leben und dem Leben anderer. Von Leuten die ich mag oder die Sachen machen die ich cool finde. Geschichten die vor die Wand gefahren sind, oder die noch vor die Wand fahren werden. Wenn Dinge klappen, darf das auch erzählt werden.

Ich leg es einfach mal ganz offen dar. Mir geht es darum, soviel Reichweite zu erzeugen, dass ich meine Produkte in meinen eigenen Geschichten platzieren kann. Dass niemand sich irgend eine Werbung ausdenken muss, sondern alles was ich produziere der Spot ist, in dem eine Besenwirtschaft vorkommt, ein Wirt mit Bart und Mütze. Vollkornbrot, Biobier und Kräuterlikör mit Kick.

Damit ich das, was ich liebe nicht solange selbst in Töpfen rühren muss, bis es mir zum Hals raushängt. Sondern ich andere beauftragen kann, es für mich zu tun. Ich liefere Marke, Ideen und Geschichten. Andere liefern den Schnaps.

How to cook your life

Und das ist der Moment wo es für dich vielleicht weiter spannend bleibt mir zu folgen. Weil es authentisches Marketing ist. Als Art zu Leben und nicht als halbseidenes Lifestyle-Commitment. Wo du von meinen Experimenten partizipieren kannst. Schauen kannst, was in deinem Leben deine Besenwirtschaft ist, und wo in deinem Geist noch Schätze gehoben werden wollen.

Wenn du Starthilfe brauchst, gibt es auch dafür ein Format.
Es heißt “How to cook your life”.

Du, ich und 48 Stunden entspannt Zeit um etwas zu spinnen. Gemüse schneiden. Wandern. Mehr lauschen, weniger Flipchart. Am Ende wird ein Dinner draus. Dein Dinner. Deine Idee, dein erster Move als Video aus der Besenküche. Mit den richtigen Zutaten und deinem eigenen Rezept.

Dann brauchst du es nur noch auf dein Leben anzuwenden.

Guten Appetit!

Interview mit Bernd Kiesewetter für sein Podcast “Mission Verantwortung”

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