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Spiral Dynamics – Blaues Meme – Freiwillige Unterwerfung

von | Okt 3, 2021

“Ideologen glauben an ihre Glaubensvorstellungen und den unausweichlichen Sieg ihrer Wahrheit; ihr Zusammenbruch erstaunt sie ohne Unterschied.”
Don Beck | Spiral Dynamics

Ich bin im Geist des Unkonventionellen, Nonkonformistischen aufgewachsen. Meine Mutter hat sich noch Mühe gegeben, für sich und um es auch bei mir zu richten. Mein Vater und mein Bruder jedoch haben es versaut. Auflehnung und Renitenz gegen Obrigkeit, gegen unnötige Regularien und Gesetze schienen mir schon früh attraktiver als folgsam zu streben. Die DDR, eine seltsame Travestie aus Kommunismus, Faschismus und geförderter Spießigkeit hat es einem da auch leicht gemacht.

So schnell man sich auch einbildet damit was besonderes zu sein, so ist der Geist der Postmoderne an sich, gegen formelle Bollwerke in Staat und Gesellschaft zu rebellieren. Das Credo lautet “Keiner sagt mir was ich zu tun habe”. Wir dekonstruieren Wert, Werte und Moral, Tugenden und Hierarchien. Für die Vertreter der Postmoderne sind die Hüter der Ordnung, die wir brauchten, um dort zu stehen wo wie heute sind, die ewig Gestrigen und konservative Reaktionäre.

Für uns (post Boomer/post 68er) ist die formelle Ebene des Seins nichts Erkämpftes, nichts Erstrebenswertes. Wenn ich von meiner Warte schaue: etwas das höhnisch belacht wird. Man fügt sich murrend und mogelt sich durch. Die formale Ebene ist wie ein unsichtbares Geländer unsere Gesellschaft. Hat aber auf das Einzelindividuum kaum noch einen Gewohnheiten prägenden Effekt. Der Wegfall der Wehrpflicht und die Freiwilligkeit in allen sozialen Diensten sind ein Ausdruck davon und auch Ursache von dem, was manche heute Werteverfall nennen. Nix muss ich!

In der Evolution der persönlichen Werte und Reife ist das aber ein unglücklicher Zustand, sich so einfach an Werten und Tugenden vorbei mogeln zu können. Es füllt die Postmoderne mit einem Geist, der im Traditionellen nur noch die Handlanger eines überbordenden Kapitalismus, die Exekutive von Ungleichheit und Unterdrückung sieht. Auf der Straße begegnen wir dem mit brennenden Mülltonnen und Steinen, in den Kultur- und Geisteswissenschaften mit Dekonstruktivismus, Neusprech und passiver Aggression.

Was sich jedoch nach oben mogelt ist ein Narzissmus, der sich die edlen Ideale des Pluralismus einverleibt hat. Piraten und Plünderer im Namen des Guten. Wir wollen die Welt retten, können aber kaum unsere eigenen Schuhe zubinden.

Aber auch keine Politik eines neuen Konformismus kann uns hier wirklich retten. Ich glaube an die Freiwilligkeit in diesen Dingen, nicht an Zucht, um keine weiteren Renitenzen und Widerstände aufzubauen. Wir dürfen anerkennen, dass es sowas wie Wachstumshierarchien gibt. Und dass wir vielleicht ein paar Sprossen übersprungen haben, die gar nicht so schlecht sind, wenn wir sie wählen dürfen. Und dann lernen wir, uns die Schuhe richtig zuzubinden.